Adherence Intervention

Die Adherence Intervention

„Adhärenz-Therapie“ ist eine strukturierte Intervention, die im Rahmen von acht Behandlungseinheiten in Einzelkontakten durch entsprechend qualifizierte Pflegende verabreicht wird. Die Intervention hat zum Ziel, dass der Patient aus eigener Kraft heraus, auf der Grundlage einer eigenen Entscheidung in der Lage ist, therapeutische Vorgaben langfristig umzusetzen, oder aber, was auch denkbar ist, eine fundierte und zu seiner aktuellen Lebenssituation passende Entscheidung gegen die Einnahme von Medikamenten zu treffen. Adhärenz-Therapie zielt demnach sowohl auf eine informierte Entscheidungsfindung als auch auf die Möglichkeit der Verhaltensänderung. Die Intervention wurde von Gray et al. (2001) am Institute of Psychiatry (IOP) in London entwickelt und basiert auf Erkenntnissen der Verhaltenstherapie, der motivierenden Gesprächsführung nach Miller und Rollnick (1999) [vgl. auch Körkel und Veltrup (2003)] sowie auf der Compliance-Therapie nach Kemp et al. (1998).

Dabei fokussiert die Intervention auf die Stärkung der Eigenverantwortung sowie auf die persönlichen Wünsche des Patienten. Neben der kooperativen Zusammenarbeit mit dem Patienten sollte darauf geachtet werden, dass der Patient ermutigt wird, seine Bedürfnisse mit einzubringen, dass die medikamentösen Pläne möglichst einfach gestaltet sind und sich die Einnahme in den Tageslauf integrieren lässt (Gray et al., 2001). Darüber hinaus gilt es, Sorgen und Bedenken anzusprechen und gemeinsam nach akzeptablen Lösungen zu suchen. Basierend auf Erkenntnissen der motivierenden Gesprächsführung liegt auch der Adhärenz-Therapie eine (Menschenbild-)Annahme zugrunde, wonach Menschen, die ihre Medikamente nicht nehmen, nicht unmotiviert, sondern ambivalent sind. Demnach gibt es sowohl für (z. B. die Reduktion von Symptomen) als auch gegen die dauerhafte Einnahme von Medikamenten (z. B. das Auftreten von Nebenwirkungen) gute Gründe. Dabei ist Ambivalenz kein alleiniges Problem von kranken Menschen, sondern fester Bestandteil menschlichen Lebens.

Literatur

Gray R, Gournay K, David A. QUATRO: Adherence Therapy – Training and Treatment Manual. London. 2001 (unveröffentlicht)
Körkel J, Veltrup C. Motivational Interviewing: Eine Übersicht. Suchttherapie,2003; 4: 115–124
Kemp R, Kirov G, Everitt B, Hayward P, David A. Randomised controlled trial of compliance therapy. 18-month follow-up. Br J Psychiatry, 1998; 172: 420–424
Miller WR, Rollnick S. Motivierende Gesprächsführung – Ein Konzept zur Beratung von Menschen mit Suchtproblemen. Lambertus, Freiburg im Breisgau. 1999.